I.: DER VORMÄRZ

Der sogenannte europäische Völkerfrühling von 1848/49 brach nicht aus dem Nichts an. Bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten schwelte und brodelte es in so gut wie allen Staaten. Trotz der reaktionären Bemühungen der etablierten Mächte, an vorderster Front in Gestalt der Restaurationspolitik des österreichischen Kanzlers Metternich, die Ausbreitung der Ideen und Werte der Aufklärung zu unterbinden, die durch die Amerikanische und die "große" Französische Revolution zum ersten Mal zur Entfaltung kamen, waren die nachnapoleonischen Jahrhunderte dennoch gezeichnet durch zahlreiche Freiheitsbewegungen. In Frankreich kam es 1830, nur 15 Jahre nach Napoleons Verbannung, in der Julirevolution erneut zum Sturz der königlichen Herrschaft, woraufhin es auch in einigen italienischen Staaten und dem Kirchenstaat zu Unruhen kam, die jedoch ohne Erfolg blieben. Ebenso im dreigeteilten Kongresspolen: Hier kam es zu einem großen Aufstand gegen die russische Fremdherrschaft, welche erst ein Jahr später nach blutigen Kämpfen niedergeschlagen werden konnte und in dessen Folge viele polnische Freiheitskämpfer ins französische Exil getrieben wurden. Einzig in den seit dem Wiener Kongress 1815 zwangsweise wieder vereinigten Niederlanden kam es zu einem Sieg des Bürgertums, als der kulturell eigenständige Süden sich von der Herrschaft des Nordens lossagte und daraufhin den Staat Belgien mit der damals fortschrittlichsten Verfassung gründete.